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Wie klimafreundlich ist unser neues Vereins- und Kletterzentrum? Die Antwort liegt jetzt vor.

Eine Lebenszyklusanalyse zeigt: Trotz technisch anspruchsvollem Vereins- und Kletterzentrum bewegt sich unser Neubau im günstigen Bereich vergleichbarer Gebäude.

16.07.2026

Wie viele Emissionen entstehen eigentlich durch unser neues Vereinszentrum – vom ersten Fundament bis zum Rückbau in 50 Jahren? Wir wollten es genau wissen und haben eine Ökobilanz erstellen lassen. Das Ergebnis macht uns zuversichtlich für den weiteren Weg.

Wir haben nachgerechnet: Unser neues Vereinszentrum im Klima-Check

Der Deutsche Alpenverein hat sich als Dachverband das Ziel gesetzt, seine Bauvorhaben auf dem Weg zur Klimaneutralität nachvollziehbar zu machen. Diesem Anspruch stellen wir uns auch beim Neubau unseres Vereins- und Kletterzentrums in Ravensburg – nicht erst am Ende, sondern schon jetzt, mitten in der Ausführungsplanung.
Das Ingenieurbüro rw bauphysik hat dafür als Teil unseres Planungsteams eine Lebenszyklusanalyse (LCA) erstellt, angelehnt an die Bilanzierungsregeln des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG). Untersucht wurde, wie viel Treibhausgas unser rund 2.350 m² großes Gebäude über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren verursacht – von der Herstellung der Baumaterialien über den täglichen Betrieb bis zum irgendwann anstehenden Rückbau.

Die Zahl auf dem Tisch

Über den gesamten Betrachtungszeitraum von 50 Jahren kommt unser Neubau nach dieser Berechnung auf rund 4.720 Tonnen CO₂-Äquivalent – das entspricht etwa 94 Tonnen pro Jahr. Uns ist bewusst, dass das auf den ersten Blick eine große Menge ist. Ein Gebäude dieser Größe – mit Kletterhalle, Boulderbereich und allem, was ein modernes Vereinszentrum braucht – benötigt nun einmal viel Material und einen entsprechend energieintensiven Betrieb. Genau deshalb verstehen wir diese Zahl nicht als Schlusspunkt, sondern als Ausgangspunkt: Wir arbeiten fortlaufend daran, sie weiter zu senken – bei der Bauausführung ebenso wie im späteren Betrieb.

Das Ergebnis: solide, ehrlich, einordbar

Unser Neubau schneidet dabei im Vergleich mit anderen aktuellen Neubauten gut ab – obwohl unser Vereins- und Kletterzentrum mit seiner speziellen Technik (große Spannweiten, Stahlkonstruktionen, Klimatechnik für die Halle) baulich anspruchsvoller ist als ein durchschnittliches Bürogebäude. Möglich macht das vor allem eine gut durchdachte Architektur und Planung: Neben der Hybridbauweise aus Holz und Beton haben zum Beispiel die bewusste Abflachung von Dachflächen, kompakt geschnittene Räume und der Verzicht auf zusätzliche Brandschutzwände dazu beigetragen, Material einzusparen und die Bilanz zu verbessern. Es ist also kein einzelner Kniff, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Entscheidungen in der Planung.

Der Betrieb entscheidet über die Zukunft

Die Analyse zeigt aber auch: Der größte Anteil der Klimawirkung entsteht nicht beim Bauen, sondern später – im laufenden Betrieb über die Jahrzehnte. Genau deshalb setzen wir von Anfang an auf eine effiziente Gebäudetechnik: U.a. Wärmepumpen statt fossiler Heizung und Energieerzeugung mittels regenerativen Energien.

Unsere Photovoltaik- und Speicherplanung im Detail

Nach aktuellem Planungsstand (Kostenberechnung) sehen wir eine PV-Anlage mit ca. 120 kWp Leistung und einen Batteriespeicher mit ca. 150 kWh Kapazität auf rund 950 m² Dachfläche vor. Mit dieser Auslegung erreichen wir einen Autarkiegrad von ca. 38% bei einem Anlagennutzungsgrad von ca. 83%.

Zur Einordnung: Eine Anlage dieser Größe erzeugt jährlich über rund 110.000 kWh Strom – das entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch von rund 30 durchschnittlichen Einfamilienhäusern (bei ca. 3.650 kWh pro Haushalt und Jahr). Ein beachtlicher Beitrag zur eigenen Energieversorgung, den wir direkt auf unserem Dach erzeugen.

Unser Ziel geht aber noch weiter: In der Ausführungsplanung und späteren Vergabe wollen wir den Autarkiegrad auf nahezu 50 % steigern – bei gleichbleibender Kostendisziplin. Eine entsprechende Auslegung für ca. 45 % Autarkie liegt bereits vor: Mit einer größeren PV-Anlage und einem größeren Batteriespeicher wäre das machbar. Diese Anlage würde jährlich rund 150.000 kWh erzeugen – das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 40 Einfamilienhäusern.

Die Herausforderung dabei liegt weniger an der Technik als an zwei ganz praktischen Fragen: Zum einen brauchen wir dafür ausreichend Dachfläche und eine effiziente Belegung, zum anderen steigen aber auch die Investitionskosten für dieses ambitioniertere Szenario – aktuell noch nicht in unserer Kostenberechnung enthalten. Wir prüfen daher gemeinsam mit unserem Planungsteam, wie sich dieses Plus an Autarkie möglichst wirtschaftlich realisieren lässt, etwa über Fördermittel, Sponsoring oder eine Mitgliederbeteiligung.

Damit ist es aber nicht getan: Eine gute Planung zu Beginn ist die eine Seite, der tatsächliche Betrieb über die kommenden Jahrzehnte die andere. Wir wollen deshalb auch nach der Eröffnung genau hinschauen, wie sich Wärmepumpe, Lüftung und PV-Anlage im Alltag bewähren, und fortlaufend nachsteuern, wo sich noch etwas verbessern lässt. Nur so bleibt so eine Analyse mehr als eine Momentaufnahme aus der Planungsphase.

Warum wir das transparent machen

Wir verstehen unser neues Zentrum nicht nur als Ort zum Klettern, Bouldern und Zusammenkommen, sondern auch als Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen – so, wie es zu unserem Selbstverständnis als Alpenverein gehört. Die Lebenszyklusanalyse ist dabei kein Gütesiegel und kein Freifahrtschein, sondern eine ehrliche Momentaufnahme, die uns hilft, in der weiteren Planung und im späteren Betrieb die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wir halten euch auf dem Laufenden, wie es mit dem Bau weitergeht – als Nächstes steht die Ausschreibung der Gewerke an. Wer als Mitglied oder Handwerksbetrieb Teil davon werden möchte, meldet sich gerne bei Markus.Wachter@dav-ravensburg.de

Fragen zur Analyse oder zum Bauprojekt? Schreibt ebenfalls  – wir stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.